Aktuar Gehalt: Tarif, außertarifliche Vergütung und der DAV-Titel

Als Aktuar verdienen Sie in tariflich eingruppierten Positionen der privaten Versicherungswirtschaft zwischen 3.799 € und 6.036 € im Monat (Gehaltsgruppen V bis VIII, Stand 08/2025); das Gehaltsportal gehalt.de weist als Marktwert einen Median von 82.514 € Jahresbrutto aus. Mit DAV-Titel, Spezial- oder Führungsverantwortung verhandeln Sie darüber hinaus individuell. Dieser Artikel zeigt die Tariftabelle, die Portal-Daten und den Gehaltshebel DAV-Ausbildung.

Veröffentlicht: 22.07.20266 min Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Zwei Vergütungswelten: Aktuare werden entweder nach dem Gehaltstarifvertrag der privaten Versicherungswirtschaft bezahlt oder, gerade mit DAV-Titel und Verantwortung, außertariflich mit frei verhandeltem Gehalt.
  • Tarifrahmen: Aktuarielle Tätigkeiten liegen in den oberen Gehaltsgruppen V bis VIII, von 3.799 € bis 6.036 € im Monat (Stand 08/2025), plus Sonderzahlung von 80 % eines Monatsgehalts.
  • Erhöhung fest vereinbart: Zum 1. September 2026 steigen alle Tarifwerte um 3,3 %, die Gruppe VIII reicht dann bis 6.235 €.
  • Der DAV-Titel ist der wichtigste Gehaltshebel des Berufs: Er erschließt Senior-, Spezialisten- und Leitungsrollen bis zum gesetzlich vorgeschriebenen Verantwortlichen Aktuar.
  • Marktwert laut Portal-Daten: gehalt.de weist für Aktuare einen Median von 82.514 € Jahresbrutto aus, mit mehr als 9 Jahren Berufserfahrung 97.007 € (Stand 07/2026).
  • Verhandlungssache: In unserer Auswertung vom 19.07.2026 nannte keine einzige von 81 aktuariellen Ausschreibungen einen konkreten Gehaltswert; die Vergütung wird individuell verhandelt.

Wovon hängt das Gehalt als Aktuar ab?

Als Aktuar bewegen Sie sich zwischen zwei Vergütungswelten: den festen Tabellenwerten des Gehaltstarifvertrags der Versicherungswirtschaft und der frei verhandelten außertariflichen Vergütung. Wo genau Sie in dieser Spanne landen, bestimmen vor allem vier Faktoren:

  • Tarifbindung der Position: Ob die Stelle in die Gehaltstabelle der Versicherungswirtschaft eingruppiert ist oder außertariflich vergütet wird, setzt den Rahmen für alles Weitere.
  • Qualifikationsstand: Zwischen dem Absolventen in der laufenden DAV-Ausbildung und dem fertigen „Aktuar DAV“ mit Spezialwissen liegt ein deutlicher Karrieresprung.
  • Rolle und Verantwortung: Ein Actuarial Analyst im Reserving und ein Chefaktuar mit Zeichnungs- oder Personalverantwortung bewegen sich in verschiedenen Vergütungsligen.
  • Arbeitgebertyp: Erstversicherer, Rückversicherer, Beratungshäuser und Softwareanbieter konkurrieren um dieselben Fachkräfte, setzen ihre Pakete aber unterschiedlich zusammen, vom Grundgehalt über Boni bis zu Weiterbildungsbudgets.

Die folgenden Abschnitte nehmen diese Faktoren der Reihe nach auseinander, beginnend mit dem einzigen öffentlich nachlesbaren Anker: der Tariftabelle.

Was zahlt der Tarifvertrag für Aktuare?

Der Gehaltstarifvertrag des privaten Versicherungsgewerbes, ausgehandelt zwischen dem Arbeitgeberverband AGV und den Gewerkschaften ver.di und DBV, kennt keine eigene Aktuars-Gruppe. Eingruppiert wird nach der ausgeübten Tätigkeit, und aktuarielle Arbeit erfüllt die Merkmale der oberen Gruppen: Gruppe V verlangt umfassende theoretische Kenntnisse, die Gruppen VI bis VIII stufen nach Entscheidungsbefugnis sowie Fach- und Führungsverantwortung. Konkret bedeutet das seit dem 1. August 2025:

GruppeAuslösendes Merkmal (Kurzfassung)niedrigste Stufehöchste Stufe
Vumfassende theoretische Kenntnisse bzw. gründliche, vielseitige Fachkenntnisse3.799 €4.623 €
VIbesonders gründliche oder besonders vielseitige Fachkenntnisse, besondere Entscheidungsbefugnis4.130 €5.007 €
VIIhohe Anforderungen an das fachliche Können, erweiterte Fach- oder Führungsverantwortung4.347 €5.395 €
VIIIAnforderungen und Verantwortung über Gruppe VII hinaus5.007 €6.036 €

Monatsbezüge gültig seit 01.08.2025; höchste Stufe jeweils ab dem 14. Berufsjahr. Merkmale nach § 4 des Manteltarifvertrages. Quelle: Gehaltstarifvertrag und Manteltarifvertrag für das private Versicherungsgewerbe, Fassungen vom 4. Juli 2025 (AGV, ver.di, DBV).

Tarifspannen nach Gehaltsgruppe (seit 01.08.2025)

Gruppe V 3.799–4.623 €

Gruppe VI 4.130–5.007 €

Gruppe VII 4.347–5.395 €

Gruppe VIII 5.007–6.036 €

3.5004.5005.5006.500

Angaben in € im Monat

Mit dem zweiten Erhöhungsschritt des Tarifabschlusses wachsen alle Werte zum 1. September 2026 um 3,3 %, die Spanne der Gruppe VIII reicht dann bis 6.235 € im Monat. Obendrauf kommen die tariflichen Nebenleistungen: eine Sonderzahlung von 80 % eines Bruttomonatsgehalts im letzten Quartal, 30 Arbeitstage Urlaub und die 38-Stunden-Woche. Da die Berufsjahre der Gruppen III bis VIII auch einschlägige Studien- und Ausbildungszeiten berücksichtigen können, steigen Hochschulabsolventen häufig nicht in der untersten Stufe ein.

Wann werden Aktuare außertariflich bezahlt?

Die Tariftabelle endet bei 6.036 €, die Verantwortung eines erfahrenen Aktuars nicht. Der Manteltarifvertrag selbst zieht die Grenze: Seine Sonderzahlung erhalten nur Angestellte, deren Bezüge das höchste Tarifgehalt um nicht mehr als 10 % übersteigen. Wer dauerhaft darüber liegt, ist im außertariflichen Bereich angekommen, in dem Gehalt, Bonus und Nebenleistungen individuell vereinbart werden. Den Weg dorthin ebnen vor allem der abgeschlossene DAV-Titel, Spezialverantwortung etwa im Pricing oder in der Risikomodellierung sowie Team- und Abteilungsleitungen, deren Anforderungen über die Merkmale der Gruppe VIII hinausgehen.

Wie hoch außertarifliche Aktuarsgehälter im Einzelnen ausfallen, veröffentlichen weder die Arbeitgeber noch die Tarifparteien. Eine Orientierung liefern Gehaltsportale, deren Werte aus Stellenanzeigen und Nutzerangaben stammen; die Größenordnungen zeigt der folgende Abschnitt. Für die Verhandlung selbst bleibt die Tariftabelle die dokumentierte Untergrenze, denn ein AT-Vertrag, der schlechter dasteht als Gruppe VIII samt Sonderzahlung, verfehlt seinen Zweck.

Was zahlen Arbeitgeber laut Gehaltsportalen?

Wo die Tariftabelle endet, beginnen die Portal-Daten. Das Vergleichsportal gehalt.de wertet Gehaltsangaben aus Stellenanzeigen und Nutzerdaten aus und weist für Aktuare die folgenden Jahresbruttowerte aus:

KennzahlJahresbrutto
Unteres Quartil (25 %)74.278 €
Median82.514 €
Oberes Quartil (75 %)91.664 €
Einstieg (unter 3 Jahren Berufserfahrung)69.518 €
mehr als 9 Jahre Berufserfahrung97.007 €

Portal-Auswertung auf Basis von Stellenanzeigen und Nutzerangaben. Quelle: gehalt.de, Berufsprofil Aktuar/-in, abgerufen am 20.07.2026.

Bemerkenswert ist der Abgleich mit dem Tarif: Der Portal-Median entspricht 6.654 € im Monat und liegt damit oberhalb der höchsten Tarifstufe von 6.036 €, ein deutlicher Hinweis darauf, wie stark außertarifliche Verträge das Gehaltsbild dieses Berufs prägen. Ebenso klar zeigt sich der Größeneffekt: In Häusern mit weniger als 100 Mitarbeitern nennt das Portal rund 74.600 € Jahresbrutto, in Konzernen mit mehr als 20.000 Mitarbeitern rund 91.200 €.

Welche Rolle spielt die DAV-Ausbildung für das Gehalt?

Die Ausbildung der Deutschen Aktuarvereinigung ist der wichtigste einzelne Gehaltshebel des Berufs, und zwar in drei Stufen. Während der Prüfungsphase tragen viele Arbeitgeber die Kosten, gewähren Lernzeit und stellen Mentoren, ein geldwerter Vorteil, der in Ausschreibungen regelmäßig ausdrücklich beworben wird. Mit dem Titel „Aktuar DAV“, der mindestens acht bestandene Prüfungen voraussetzt, öffnen sich anschließend die Senior- und Spezialistenrollen, deren Vergütung individuell verhandelt wird.

Die dritte Stufe ist gesetzlich verankert: Nach § 141 VAG muss jedes Lebensversicherungsunternehmen einen Verantwortlichen Aktuar bestellen, dessen fachliche Eignung regelmäßig eine mindestens dreijährige Tätigkeit als Versicherungsmathematiker voraussetzt. Eine Funktion, die kein Unternehmen unbesetzt lassen darf, verschafft dem Berufsstand eine Verhandlungsposition, von der andere Fachrichtungen nur träumen können. Was der Beruf inhaltlich umfasst und wie die DAV-Ausbildung im Detail aufgebaut ist, lesen Sie im Berufsprofil Aktuar.

Was verraten die Stellenausschreibungen über das Aktuar-Gehalt?

Für diesen Artikel haben wir alle aktuariellen Ausschreibungen unserer Stellendatenbank ausgewertet. Zum Stichtag 19. Juli 2026 waren das 81 Stellen von 34 Arbeitgebern, und der auffälligste Befund ist eine Null: Keine einzige dieser 81 Ausschreibungen nannte einen konkreten Gehaltswert. Kein anderes Ergebnis illustriert besser, dass Aktuarsgehälter in Deutschland Verhandlungssache sind.

Statt mit Zahlen warben die Arbeitgeber mit Paketen: 42 der 81 Ausschreibungen stellten Weiterbildung heraus, was angesichts der DAV-Kostenübernahme wenig überrascht, 40 nannten flexible Arbeitszeiten, 39 Homeoffice-Möglichkeiten und 37 eine betriebliche Altersversorgung. In 18 Titeln steckten Senior-, Lead- oder Leitungsrollen, 26 Ausschreibungen liefen unter englischen Rollenbezeichnungen, ein Fingerzeig auf die internationalen Rück- und Konzernversicherer. Die regionalen Schwerpunkte lagen in Köln, Hannover, München und Hamburg.

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Fazit

Das Aktuar-Gehalt hat einen nachlesbaren Sockel und ein verhandelbares Dach. Den Sockel bildet die Tariftabelle der Versicherungswirtschaft mit 3.799 € bis 6.036 € in den Gruppen V bis VIII, samt Sonderzahlung und fest vereinbarter Erhöhung zum September 2026. Das Dach entsteht im außertariflichen Bereich, den DAV-Titel, Spezialisierung und Führungsverantwortung erschließen. Wer beides kennt, verhandelt auf Augenhöhe, und die Arbeitgeber wissen das: Nicht umsonst werben sie in ihren Ausschreibungen lieber mit Weiterbildung und Flexibilität als mit Zahlen. Wir hoffen, dass wir Ihnen damit weiterhelfen konnten!

FAQ: Häufige Fragen zum Aktuar Gehalt

Gilt die Gehaltstabelle der Versicherungswirtschaft für Aktuare?

Ja, sofern die Stelle bei einem tarifgebundenen Versicherer liegt und tariflich eingruppiert ist. Aktuarielle Tätigkeiten erfüllen die Merkmale der oberen Gruppen V bis VIII mit Monatsbezügen von 3.799 € bis 6.036 € (Stand 08/2025). Positionen mit DAV-Titel, Spezial- oder Führungsverantwortung können dagegen oberhalb der Tabelle im außertariflichen Bereich liegen.

Warum nennen Stellenanzeigen für Aktuare kein Gehalt?

Weil die Vergütung individuell verhandelt wird und die Arbeitgeber ihre Spielräume nicht öffentlich machen wollen. In unserer Auswertung vom 19.07.2026 enthielt keine einzige von 81 aktuariellen Ausschreibungen einen konkreten Gehaltswert. Beworben wurden stattdessen Weiterbildung, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und betriebliche Altersversorgung. Für Bewerber heißt das: Die Tariftabelle als Untergrenze kennen und den eigenen Marktwert aktiv verhandeln.

Wie beeinflusst der Titel „Aktuar DAV“ das Gehalt?

Auf drei Wegen: Während der Ausbildung übernehmen viele Arbeitgeber Prüfungskosten und gewähren Lernzeit, was einem geldwerten Vorteil entspricht. Der abgeschlossene Titel erschließt anschließend Senior- und Spezialistenrollen, deren Gehälter individuell verhandelt werden. Und mit mehrjähriger Berufserfahrung qualifiziert er für die gesetzlich vorgeschriebene Funktion des Verantwortlichen Aktuars nach § 141 VAG, die jedes Lebensversicherungsunternehmen besetzen muss.