Das Wichtigste in Kürze
- Versicherungskaufleute sind die kaufmännischen Fachkräfte der Versicherungswirtschaft. Sie beraten Kunden zu Absicherung und Vorsorge, erstellen Angebote, verwalten Verträge und regulieren Versicherungsfälle. Der Ausbildungsberuf heißt seit 2022 Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen.
- Typische Aufgaben: Bedarf analysieren und Kunden ganzheitlich beraten, Versicherungs- und Finanzanlagelösungen entwickeln, Anträge und Verträge bearbeiten, Schäden und Leistungsfälle regulieren.
- Voraussetzungen: eine dreijährige duale Ausbildung mit einer von fünf Wahlqualifikationen. Rechtlich ist kein Schulabschluss vorgeschrieben, eingestellt werden überwiegend Bewerber mit mittlerem Abschluss oder Abitur.
- Gefragter Beruf: 5.304 neue Ausbildungsverträge machten den Beruf 2025 zur Nummer 26 unter allen Ausbildungsberufen in Deutschland.
- Gehalt: Nach der Ausbildung garantiert der Tarifvertrag der Versicherungswirtschaft mindestens Gehaltsgruppe III, seit September 2026 in aller Regel 3.639 € im Monat. Der Median liegt laut gehalt.de bei 3.658 € brutto (Stand 09/2026).
- Perspektiven: vom Spezialisten im Underwriting oder Schaden über den Bachelor Professional in Versicherungen und Finanzanlagen bis zur eigenen Agentur, denn der Abschluss ersetzt die Sachkundeprüfung für Versicherungsvermittler.
Was ist ein Versicherungskaufmann?
Ein Versicherungskaufmann ist die ausgebildete kaufmännische Fachkraft der privaten Versicherungswirtschaft. Er berät Privat- und Firmenkunden zu Versicherungs- und Finanzanlageprodukten, ermittelt ihren Bedarf, erstellt Angebote und Verträge und bearbeitet die Versicherungsfälle, wenn der Ernstfall eintritt. Der Beruf ist damit das Bindeglied zwischen dem Versicherer, der Risiken übernimmt, und dem Kunden, der Schutz sucht. Ob im Außendienst einer Agentur, im Innendienst einer Direktion, also der Zentrale eines Versicherers, oder in einem Maklerhaus: Versicherungskaufleute sind überall dort tätig, wo Versicherungsverträge entstehen, verwaltet und erfüllt werden.
Die Berufsbezeichnung hat sich mehrfach gewandelt. Aus dem Versicherungskaufmann wurde 2006 der Kaufmann für Versicherungen und Finanzen, und seit dem 1. August 2022 heißt der staatlich anerkannte Ausbildungsberuf nach § 1 der Versicherungs-und-Finanzanlagen-Kaufleute-Ausbildungsverordnung Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen. Im Alltag der Branche, in Stellenanzeigen und im Tarifvertrag hat der kurze Titel überlebt, und auch dieser Artikel verwendet ihn. Nicht zu verwechseln ist der Versicherungskaufmann mit dem Versicherungsfachmann: Diese Bezeichnung steht für die Sachkundeprüfung der Industrie- und Handelskammer, die Quereinsteiger für den Vertrieb ablegen, während der Versicherungskaufmann eine vollwertige dreijährige Berufsausbildung durchläuft. Mit 5.304 neuen Ausbildungsverträgen belegte der Beruf 2025 Rang 26 aller Ausbildungsberufe in Deutschland, und anders als in vielen kaufmännischen Berufen waren 57,6 % der neuen Auszubildenden Männer (Stand 05.12.2025).
Welche Aufgaben hat ein Versicherungskaufmann?
Die Ausbildungsverordnung beschreibt das Berufsbild entlang der Kundenbedarfe, vom Wohnen über Mobilität und Gesundheit bis zur Altersvorsorge. Vier Aufgabenfelder prägen den Arbeitsalltag, wobei die Gewichtung davon abhängt, ob Sie im Vertrieb oder im Innendienst arbeiten:
Kunden beraten und Bedarf analysieren
Am Anfang steht die Frage, welche Risiken ein Kunde tatsächlich trägt. Versicherungskaufleute erheben die Lebens- und Finanzsituation, erkennen Beratungsanlässe wie den Hauskauf, die Familiengründung oder den Schritt in die Selbständigkeit und leiten daraus den Bedarf an Absicherung ab. Die Ausbildungsverordnung spricht von ganzheitlicher Beratung, gemeint ist der Blick über die einzelne Police hinaus auf Wohnen, Beruf, Mobilität, Gesundheit und Alter. Wie ernst der Beruf diese Rolle nimmt, zeigt die Abschlussprüfung: Dort führt jeder Prüfling eine simulierte Beratung mit dem Prüfungsausschuss.
Angebote erstellen und Verträge bearbeiten
Aus dem ermittelten Bedarf wird ein konkretes Angebot: Versicherungskaufleute wählen Tarife und Deckungen aus, kalkulieren Beiträge und bereiten den Vertragsabschluss vor. Im Innendienst bearbeiten sie die Anträge, prüfen Angaben zum Risiko, stellen Policen aus und pflegen die Verträge über ihre gesamte Laufzeit, von der Adressänderung bis zur Vertragsanpassung nach einem Umzug oder einer Gehaltserhöhung. Dabei gilt das Versicherungsvertragsrecht mit seinen Informations- und Dokumentationspflichten, das die Ausbildung als eigene Berufsbildposition behandelt.
Versicherungsfälle regulieren
Ein Rohrbruch, ein Verkehrsunfall, ein längerer Krankenhausaufenthalt: Wenn der Versicherungsfall eintritt, nehmen Versicherungskaufleute die Schadenmeldung auf, prüfen die Deckung, berechnen die Entschädigungsleistung und steuern die Abwicklung mit Gutachtern, Werkstätten oder Ärzten. Das Regulieren von Versicherungsfällen ist eine eigene Berufsbildposition der Ausbildungsordnung und mit der Wahlqualifikation Versicherungsfälle managen sogar ein möglicher Schwerpunkt. In den Stellenanzeigen der Versicherer firmieren diese Rollen heute häufig als Schadensachbearbeiter oder Claims Handler.
Vorsorge und Finanzanlagen gestalten
Der Zusatz Finanzanlagen im Berufstitel ist kein Schmuck. Versicherungskaufleute beraten zur Altersvorsorge und Vermögensbildung, vergleichen Renten- und fondsgebundene Lebensversicherungen mit anderen Anlageformen und beurteilen deren Chancen und Risiken, was die Abschlussprüfung ausdrücklich abfragt. Hinzu kommen die kaufmännischen Aufgaben des Betriebs: Versicherungskaufleute werten Bestände aus, arbeiten mit betrieblichen Kennzahlen und wirken in Rechnungswesen und Controlling mit. Gerade in Agenturen gehört die betriebswirtschaftliche Steuerung des eigenen Kundenbestands zum Tagesgeschäft.
Wie wird man Versicherungskaufmann?
Der reguläre Weg führt über die duale Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen, die nach § 2 der Ausbildungsverordnung drei Jahre dauert und sich bei guten Voraussetzungen auf 2,5 Jahre verkürzen lässt. Ausgebildet wird bei Versicherern, in deren Agenturen und bei Maklerhäusern, kombiniert mit der Berufsschule. Ein halbes Jahr entfällt auf eine von fünf Wahlqualifikationen nach § 4 der Verordnung, etwa Versicherungsfälle managen, Risiken für Nicht-Privatkunden absichern oder im Vertrieb betriebswirtschaftlich arbeiten. Rechtlich ist kein Schulabschluss vorgeschrieben, die Versicherer stellen in der Praxis Bewerber mit mittlerem Abschluss, Fachhochschulreife oder Abitur ein. Alle Details zu Aufbau, Prüfungen und Vergütung, von 1.455 € bis 1.620 € im Monat, haben wir im Ratgeber Ausbildung Versicherungskaufmann aufbereitet.
Daneben existiert ein zweiter Zugang für Quereinsteiger, der den Beruf von vielen anderen kaufmännischen Berufen unterscheidet. Wer im Vertrieb einsteigen möchte, kann die Sachkundeprüfung nach § 34d der Gewerbeordnung bei der Industrie- und Handelskammer ablegen und trägt dann den Titel Geprüfter Fachmann für Versicherungsvermittlung IHK, im Branchenjargon Versicherungsfachmann. Versicherer wie die LVM schreiben ihre Vertriebsstellen deshalb ausdrücklich für Versicherungskaufleute oder Versicherungsfachleute aus. Der umgekehrte Weg ist übrigens abgekürzt: Die Abschlussprüfung als Versicherungskaufmann ist nach § 5 der Versicherungsvermittlungsverordnung der Sachkundeprüfung gleichgestellt, eine zweite Prüfung entfällt.
Welche Soft Skills sollten Sie mitbringen?
Soft Skills sind die überfachlichen Fähigkeiten, die neben dem Produkt- und Rechtswissen darüber entscheiden, ob Kunden Ihnen vertrauen und Verträge sauber abgewickelt werden. Für den Versicherungskaufmann zählen vor allem:
- Kunden- und Serviceorientierung sowie Kommunikationsfähigkeit in Beratung und Schriftverkehr
- Sorgfalt, Konzentration und Verschwiegenheit im Umgang mit Anträgen, Leistungen und Kundendaten
- Kaufmännisches Denken und Verhandlungsgeschick bei Kundengewinnung und Konditionen
- Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit den Vermögenswerten der Kunden
- Lernbereitschaft, weil Produkte, Rechtslage und Werkzeuge sich laufend ändern
- Teamfähigkeit in Agenturen, Fachabteilungen und im Zusammenspiel mit dem Außendienst
Die vier wichtigsten im Detail:
Kommunikationsfähigkeit
Versicherungen sind erklärungsbedürftig, und Kunden kommen selten mit Fachwissen. Gute Versicherungskaufleute stellen die richtigen Fragen, hören zu und übersetzen Bedingungswerke in verständliche Aussagen, am Telefon, im Wohnzimmer des Kunden oder im Videogespräch. Wer Einwände ernst nimmt und über den Gesprächsanlass hinausdenkt, erfüllt genau das, was die Ausbildungsverordnung in der Gesprächssimulation der Abschlussprüfung verlangt.
Sorgfalt und Verschwiegenheit
Ein falsch erfasstes Risiko, eine übersehene Frist oder eine ungenau berechnete Entschädigung haben unmittelbare finanzielle Folgen, für den Kunden wie für den Versicherer. Versicherungskaufleute arbeiten deshalb gewissenhaft und diskret, denn sie kennen Gesundheitsdaten, Einkommen und Vermögensverhältnisse ihrer Kunden. Die Bundesagentur für Arbeit führt Sorgfalt, Konzentration und Verschwiegenheit nicht ohne Grund unter den zentralen Anforderungen des Berufs.
Kaufmännisches Denken
Beiträge kalkulieren, Deckungssummen abwägen, den Wert eines Kundenbestands einschätzen: Der Beruf verlangt Zahlenverständnis und wirtschaftliches Urteilsvermögen. Im Vertrieb kommt Verhandlungsgeschick hinzu, wenn es um Konditionen und Abschlüsse geht, im Innendienst der Blick auf Kennzahlen, Kosten und Rentabilität. Die Ausbildung verankert dieses Denken mit einer eigenen Berufsbildposition zur kaufmännischen Steuerung und Kontrolle.
Lernbereitschaft
Tarife werden laufend überarbeitet, Gerichte präzisieren das Versicherungsrecht, und digitale Antragsstrecken verändern die Arbeitsweise. Für alle, die unmittelbar in der Vermittlung mitwirken, ist Weiterbildung sogar Pflicht: § 34d Absatz 9 der Gewerbeordnung schreibt 15 Stunden je Kalenderjahr vor. Wer gern dazulernt, empfindet das nicht als Last, sondern als Teil eines Berufs, der sich mit seinen Kunden weiterentwickelt.
Bei welchen Arbeitgebern arbeiten Versicherungskaufleute?
Die Arbeitgeber-Landschaft ist breiter, als der Berufstitel vermuten lässt, und der Alltag unterscheidet sich je nach Arbeitgebertyp deutlich. Die größte Gruppe stellen die Versicherungsunternehmen selbst, von Vereinen auf Gegenseitigkeit wie der LVM, der Debeka oder SIGNAL IDUNA über öffentliche Versicherer wie die Provinzial bis zu Aktiengesellschaften wie AXA, Zurich oder HUK-COBURG. In den Direktionen arbeiten Versicherungskaufleute in Fachabteilungen für Vertrag, Schaden, Underwriting oder Vertriebsunterstützung, mit geregelten Arbeitszeiten und Tarifgehalt. In den Agenturen und Geschäftsstellen derselben Häuser dominiert dagegen die Kundenberatung vor Ort, häufig mit Provisionsanteilen und der Perspektive, später eine Agentur zu übernehmen. Die LVM schreibt solche Rollen als Vertriebsmitarbeiter, Innendienstmitarbeiter oder gleich als Agenturnachfolger mit Bestandsübernahme aus.
Die zweite große Gruppe sind die Versicherungsmakler, vom Industriemakler wie Funk oder Marsh bis zum regionalen Maklerbüro innerhalb von Gruppen wie GGW. Dort betreuen Versicherungskaufleute Firmenkunden über alle Sparten hinweg, vergleichen Angebote verschiedener Versicherer und verhandeln in deren Auftrag, was ein breiteres Produktwissen verlangt als die Arbeit für einen einzelnen Versicherer. Hinzu kommen Kreditinstitute mit eigenem Versicherungsvertrieb, Finanzdienstleister sowie die Finanz- und Versicherungsabteilungen großer Unternehmen, die ihre eigenen Risiken managen. Wie groß die Vermittlerwelt ist, zeigt das Vermittlerregister der Industrie- und Handelskammern: Zum 1. Juli 2026 waren dort 97.780 gebundene Versicherungsvertreter, 27.272 Vertreter mit eigener Erlaubnis und 47.244 Versicherungsmakler eingetragen. Jeder dieser Betriebe ist ein potenzieller Arbeitgeber oder ein Vorbild für die eigene Selbständigkeit.
Aktuelle Stellen für Versicherungskaufleute
Offene Positionen vom Innendienst über den Vertrieb bis zur Schadenbearbeitung bündeln wir im Bereich Versicherungskaufmann Jobs, den Nachwuchs-Einstieg gesondert im Bereich Ausbildung Versicherung:
Aktuelle Stellen für Versicherungskaufleute
Aktuell 1.683 Ausschreibungen rund um den Versicherungskaufmann auf versicherung-jobs.com, vom Ausbildungsplatz bis zur Fachposition.
Wie hoch ist das Gehalt als Versicherungskaufmann?
Das Gehalt ist in weiten Teilen der Branche tariflich geregelt. Der Tarif kennt acht Gehaltsgruppen von I bis VIII, die sich nach der ausgeübten Tätigkeit richten, und innerhalb jeder Gruppe steigt das Gehalt mit den Berufsjahren. Der Manteltarifvertrag der privaten Versicherungswirtschaft enthält dazu eine Regel, die speziell diesem Beruf gilt: Angestellte mit abgeschlossener Ausbildung zum Versicherungskaufmann sind nach § 4 Ziffer 2a des Manteltarifvertrags (PDF-Seite 7) mindestens in Gehaltsgruppe III einzustufen, mit einer Prüfungsnote bis 2,5 sollen sie in Gruppe IV eingestuft werden. Weil die Ausbildungsjahre als Berufsjahre zählen, beginnt das Tarifgehalt in aller Regel in der Stufe für das 4. und 5. Berufsjahr:
| Berufsjahr | Gruppe III | Gruppe IV | Gruppe V |
|---|---|---|---|
| im 4. und 5. | 3.639 € | 3.716 € | 3.924 € |
| im 6. und 7. | 3.822 € | 3.846 € | 4.058 € |
| im 10. und 11. | – | 4.103 € | 4.397 € |
| vom 14. an | – | – | 4.776 € |
Monatsbezüge brutto, Auszug, gültig seit 01.09.2026. Quelle: Gehaltstarifvertrag für das private Versicherungsgewerbe, § 1, Fassung vom 4. Juli 2025 (AGV, ver.di, DBV), Stand Mai 2026.
Tarifspannen ab dem 4. Berufsjahr nach Gehaltsgruppe (seit 01.09.2026)
Gruppe III 3.639–3.822 €
Gruppe IV 3.716–4.230 €
Gruppe V 3.924–4.776 €
Angaben in € im Monat
Hinzu kommen eine tarifliche Sonderzahlung von 80 % eines Monatsgehalts, 30 Tage Urlaub und die 38-Stunden-Woche im Innendienst. Für den Werbeaußendienst, also die angestellten Vermittler in Agenturen und Vertriebsorganisationen, gilt statt der Tabelle ein Mindesteinkommen von 2.400 € plus Provisionen, ab November 2026 von 2.508 €. Außerhalb des Tarifs, etwa bei Maklern, nennt gehalt.de für Kaufleute für Versicherungen und Finanzen einen Median von 3.658 € im Monat beziehungsweise 45.358 € im Jahr, in Unternehmen mit mehr als 20.000 Mitarbeitern im Durchschnitt 56.036 € (abgerufen am 09.09.2026). Die komplette Tariftabelle aller Gruppen, die Ausbildungsvergütung und die Regeln für den Außendienst finden Sie im Ratgeber Versicherungskaufmann Gehalt.
Welche Perspektiven haben Versicherungskaufleute?
Drei Entwicklungsrichtungen sind typisch. Die erste ist die fachliche Spezialisierung innerhalb des Versicherers: Aus dem Versicherungskaufmann wird der Risikoprüfer in der Lebensversicherung, der Underwriter, der im Firmenkundengeschäft Risiken prüft und Beiträge festlegt, der Spezialist für Großschäden oder der Maklerbetreuer, der als Bindeglied zwischen Versicherer und Vermittlern arbeitet. Die Stellenanzeigen der Versicherer spiegeln diese Wege wider: Die Continentale sucht Kaufleute für Versicherungen als Risikoprüfer, die Zurich als Claims Handler im Fahrzeugschaden, die Funk Gruppe als Account Manager im Consulting. Viele dieser Rollen führen tariflich in die Gruppen V bis VII, die der Manteltarifvertrag für gründliche, vielseitige und besonders anspruchsvolle Fachkenntnisse vorsieht.
Die zweite Richtung ist die Aufstiegsfortbildung. Seit dem 1. Januar 2025 löst der Bachelor Professional in Versicherungen und Finanzanlagen den Geprüften Fachwirt für Versicherungen und Finanzen ab. Nach § 2 der Fortbildungsverordnung genügt für die Zulassung die bestandene Abschlussprüfung als Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen, die Vorbereitung umfasst nach § 1 in der Regel mindestens 1.200 Lernstunden und zielt auf Fach- und Führungsfunktionen bis hin zur Leitung von Teams und Projekten. Berufsbegleitende Studiengänge in Versicherungswirtschaft oder Betriebswirtschaft ergänzen das Angebot, und einige Versicherer verzahnen Ausbildung und Studium von Anfang an, etwa die Debeka mit ihrem ausbildungsbegleitenden Bachelor.
Die dritte Richtung ist die Selbständigkeit, und hier hat der Versicherungskaufmann einen Vorsprung, den kaum ein anderer kaufmännischer Beruf bietet. Wer eine Agentur übernehmen oder als Versicherungsmakler ein eigenes Unternehmen gründen möchte, braucht die Erlaubnis der Industrie- und Handelskammer nach § 34d der Gewerbeordnung. Die dafür vorgeschriebene Sachkundeprüfung entfällt für Versicherungskaufleute, weil § 5 der Versicherungsvermittlungsverordnung ihre Abschlussprüfung gleichstellt. Versicherer werben aktiv um diesen Nachwuchs: Die LVM schreibt Agenturen mit Bestandsübernahme gezielt für Versicherungskaufleute aus, die AXA nennt die Selbständigkeit im Vertrieb ausdrücklich als Karriereziel nach der Ausbildung.
Fazit
Der Versicherungskaufmann ist der Generalist der Versicherungswirtschaft: Er berät, kalkuliert, verwaltet und reguliert, im Außendienst ebenso wie in der Direktion oder beim Makler. Der Beruf verbindet eine moderne dreijährige Ausbildung mit einem Tarifgehalt ab 3.639 €, klaren Aufstiegswegen bis zum Bachelor Professional und dem seltenen Privileg, ohne weitere Prüfung den Schritt in die eigene Agentur gehen zu können. Wer Menschen und Zahlen gleichermaßen mag, findet hier einen Beruf mit Substanz. Wir hoffen, dass wir Ihnen damit weiterhelfen konnten!
FAQ: Häufige Fragen zum Beruf
Was macht ein Versicherungskaufmann im Innendienst?
Im Innendienst bearbeiten Versicherungskaufleute Anträge und Verträge, prüfen Risiken, regulieren Versicherungsfälle und unterstützen den Außendienst mit Angeboten und Auskünften. Dazu kommen Aufgaben im Rechnungswesen und Controlling. Typische Stellentitel sind Sachbearbeiter Vertrag, Schadensachbearbeiter, Risikoprüfer oder Mitarbeiter im Vertriebsinnendienst.
Was ist der Unterschied zwischen Versicherungskaufmann und Versicherungsfachmann?
Der Versicherungskaufmann hat eine dreijährige duale Berufsausbildung nach der Ausbildungsverordnung von 2022 abgeschlossen. Der Versicherungsfachmann, amtlich Geprüfter Fachmann für Versicherungsvermittlung IHK, hat die Sachkundeprüfung für Versicherungsvermittler nach § 34d der Gewerbeordnung bestanden, meist als Quereinsteiger im Vertrieb. Für Versicherungskaufleute gilt diese Sachkunde nach § 5 der Versicherungsvermittlungsverordnung als nachgewiesen.
Wie viel verdient ein Versicherungskaufmann nach der Ausbildung?
Bei tarifgebundenen Versicherern mindestens nach Gehaltsgruppe III, wegen der angerechneten Ausbildungsjahre in aller Regel 3.639 € im Monat, mit guter Prüfungsnote 3.716 € in Gruppe IV (Stand September 2026). Hinzu kommen eine Sonderzahlung von 80 % eines Monatsgehalts und 30 Tage Urlaub. Der Median über alle Arbeitgeber liegt laut gehalt.de bei 3.658 € brutto im Monat.
Kann ein Versicherungskaufmann sich selbständig machen?
Ja, und einfacher als die meisten anderen Berufe. Die Erlaubnis als Versicherungsvertreter oder Versicherungsmakler nach § 34d der Gewerbeordnung setzt eine Sachkundeprüfung voraus, die für Versicherungskaufleute durch ihre Abschlussprüfung ersetzt wird. Übrig bleiben Zuverlässigkeit, geordnete Vermögensverhältnisse und eine Berufshaftpflichtversicherung. Viele Versicherer bieten Agenturen mit bestehendem Kundenbestand zur Übernahme an.






