Ausbildung Versicherungskaufmann: Dauer, Vergütung, Ablauf und Prüfungen

Die Ausbildung zum Versicherungskaufmann, seit 2022 offiziell Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen, dauert drei Jahre und wird vom ersten Tag an nach Tarif bezahlt: 1.455 € im ersten, 1.532 € im zweiten und 1.620 € im dritten Ausbildungsjahr (Stand September 2026). Mit 5.304 neuen Ausbildungsverträgen zählte der Beruf 2025 zu den 30 häufigsten Ausbildungsberufen Deutschlands. Dieser Artikel erklärt Voraussetzungen, Aufbau, Wahlqualifikationen, Prüfungen und Vergütung der Ausbildung.

Veröffentlicht: 16.09.202613 min Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Beruf und Dauer: Die Ausbildung zum Versicherungskaufmann heißt seit August 2022 offiziell Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen. Sie dauert drei Jahre und läuft dual im Versicherungsunternehmen und in der Berufsschule. Einige Versicherer bieten verkürzte Varianten mit 2,5 Jahren an.
  • Vergütung: Der Tarifvertrag der privaten Versicherungswirtschaft garantiert seit September 2026 monatlich 1.455 € im ersten, 1.532 € im zweiten und 1.620 € im dritten Ausbildungsjahr. Hinzu kommen je nach Arbeitgeber Sonderzahlungen, vermögenswirksame Leistungen und ein Fahrtkostenzuschuss.
  • Voraussetzungen: Das Berufsbildungsrecht verlangt keinen bestimmten Schulabschluss. Versicherer wie R+V oder Allianz stellen in der Praxis Bewerber mit mittlerem Abschluss, Fachhochschulreife oder Abitur ein.
  • Wahlqualifikation: Ein halbes Jahr der Ausbildung entfällt auf eine von fünf Wahlqualifikationen, etwa Versicherungsfälle managen oder im Vertrieb betriebswirtschaftlich arbeiten. Sie wird schon im Ausbildungsvertrag festgelegt.
  • Prüfung: Die Abschlussprüfung ist gestreckt. Teil 1 findet im vierten Ausbildungshalbjahr statt, Teil 2 am Ende der Ausbildung mit drei schriftlichen Prüfungen, einer Gesprächssimulation und einem Fachgespräch.
  • Beliebter Beruf: Mit 5.304 neuen Ausbildungsverträgen belegte der Beruf 2025 Rang 26 unter allen Ausbildungsberufen in Deutschland. Nach der Prüfung steigen Absolventen in aller Regel mindestens in Gehaltsgruppe III des Tarifvertrags ein.

Was ist die Ausbildung zum Versicherungskaufmann?

Die Ausbildung zum Versicherungskaufmann ist die klassische duale Berufsausbildung der Versicherungswirtschaft. Wer heute einen Ausbildungsvertrag unterschreibt, wird allerdings nicht mehr Versicherungskaufmann, sondern Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen. So heißt der Beruf seit dem 1. August 2022, geregelt in der Versicherungs-und-Finanzanlagen-Kaufleute-Ausbildungsverordnung vom 2. März 2022, die den Beruf in § 1 staatlich anerkennt. Die alte Berufsbezeichnung Kaufmann für Versicherungen und Finanzen aus dem Jahr 2006 ist damit Geschichte, wie § 19 der Verordnung ausdrücklich festhält. Im Sprachgebrauch der Branche, in Stellenanzeigen und auch in Tarifverträgen lebt der kurze Titel Versicherungskaufmann trotzdem weiter.

Ausgebildet wird dort, wo Versicherungen verkauft und verwaltet werden: in den Direktionen der Versicherer, also in ihren Zentralen und Regionalverwaltungen, in ihren Geschäftsstellen und Agenturen, bei Versicherungsmaklern und vereinzelt in den Finanzabteilungen großer Unternehmen. Der Beruf gehört zu den gefragteren Ausbildungswegen des Landes. 5.304 neue Ausbildungsverträge wurden 2025 abgeschlossen, das bedeutete Rang 26 unter allen Ausbildungsberufen in Deutschland (Stand 05.12.2025). Anders als in vielen kaufmännischen Berufen ist die Mehrheit der Auszubildenden männlich, 57,6 % der neuen Verträge entfielen auf Männer. Auffällig ist zudem das Gefälle zwischen West und Ost: In den alten Bundesländern rangierte der Beruf auf Platz 24, in den neuen Ländern und Berlin nur auf Platz 37.

Inhaltlich hat die Neuordnung von 2022 den Beruf spürbar modernisiert. Die Verordnung ordnet die Ausbildung nicht mehr nach Sparten, sondern nach Kundenbedarfsfeldern wie Wohnen, Mobilität, Gesundheit oder Altersvorsorge, und sie räumt der Digitalisierung einen eigenen Platz ein. Was das für Ihren Ausbildungsalltag bedeutet, zeigen die folgenden Abschnitte.

Welche Voraussetzungen brauchen Sie?

Einen bestimmten Schulabschluss schreibt das Recht für diese Ausbildung nicht vor. Die Versicherer formulieren ihre Erwartungen deshalb selbst, und die Bandbreite ist größer, als viele Bewerber vermuten. Die R+V nennt in ihren Ausschreibungen das (Fach-)Abitur oder einen guten Realschulabschluss, die Allianz die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife oder die Mittlere Reife. Die Debeka zählt mittlere Reife, Fachabitur und Abitur gleichberechtigt auf. Die AXA erwartet für ihre Außendienst-Ausbildung Abitur, Fachhochschulreife oder einen sehr guten Realschulabschluss, betont aber ausdrücklich, dass ein Studienabbruch nicht hinderlich ist, und verlangt zusätzlich Deutschkenntnisse auf C1-Niveau sowie einen Führerschein der Klasse B.

Wie sich diese Erwartungen über den Markt verteilen, haben wir in unserer Stellendatenbank ausgezählt. Von den 1.262 Ausbildungsplätzen, die zum Stichtag 9. September 2026 auf versicherung-jobs.com den Beruf im Titel trugen, nannten 723 in der Beschreibung das Abitur oder die Hochschulreife und 718 einen mittleren Schulabschluss, sehr häufig beides nebeneinander. Ein Realschulabschluss mit guten Noten öffnet also in der Breite des Marktes die Tür, das Abitur ist die häufigste, aber keineswegs die einzige Eintrittskarte.

Wichtiger als der Abschluss sind die persönlichen Anforderungen, die die Bundesagentur für Arbeit für den Beruf zusammenfasst: Kunden- und Serviceorientierung sowie Kommunikationsfähigkeit für die Beratung, Sorgfalt und Verschwiegenheit im Umgang mit Anträgen und Kundendaten, kaufmännisches Denken und Verhandlungsgeschick bei der Kundengewinnung sowie Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit den Vermögenswerten der Kunden. Als hilfreiche Schulfächer gelten Mathematik für die Auswertung von Vertragskonditionen, Wirtschaft und Recht für das Vertragswesen, Deutsch für die Beratung und Englisch für internationale Kundschaft. Die Versicherer ergänzen diese Liste um Kontaktfreude, Teamgeist und Offenheit für digitale Werkzeuge.

Wie ist die Ausbildung aufgebaut?

Die Ausbildung dauert nach § 2 der Verordnung drei Jahre. Verkürzungen sind üblich: Nach § 8 des Berufsbildungsgesetzes muss die Industrie- und Handelskammer die Ausbildungsdauer auf gemeinsamen Antrag von Auszubildendem und Betrieb kürzen, wenn das Ausbildungsziel auch in der kürzeren Zeit erreichbar ist. Die R+V schreibt ihre Ausbildungsplätze in Hamburg von vornherein mit einer Dauer von 2,5 Jahren aus, die AXA bietet wahlweise 2,5 oder 3 Jahre an. Wer ein Abitur mitbringt, sollte die Verkürzung bei der Bewerbung gezielt ansprechen.

Den Aufbau regelt § 4 der Verordnung in drei Schichten. Den Kern bilden zwölf Lernfelder, in der Verordnung Berufsbildpositionen genannt, die jeder Auszubildende unabhängig von seinem Schwerpunkt durchläuft. Dazu gehören die Prozesse und die Digitalisierung der Versicherungswirtschaft, kaufmännische Steuerung und Kontrolle, die rechtlichen Rahmenbedingungen, die ganzheitliche Kundenberatung sowie sechs Kundenbedarfsfelder: Wohnen und Wohneigentum absichern, Berufsausübung und Freizeitgestaltung absichern, Mobilität und Reisen absichern, Gesundheit fördern sowie Krankheit und Pflege absichern, für das Alter vorsorgen und Vermögen bilden, Einkommen absichern und Hinterbliebene versorgen. Die zwölfte Position, Versicherungsfälle regulieren, führt in die Schadenbearbeitung ein. Die zweite Schicht ist die Wahlqualifikation mit einem zeitlichen Richtwert von sechs Monaten, die dritte Schicht umfasst integrativ vermittelte Inhalte wie Arbeits- und Tarifrecht, Arbeitssicherheit, Umweltschutz und Nachhaltigkeit sowie die digitalisierte Arbeitswelt.

Wie die Praxisphasen konkret aussehen, hängt stark vom Ausbildungsbetrieb ab. In den Direktionen durchlaufen Sie Fachabteilungen, die R+V spricht von einer Poolausbildung im ersten Jahr und einem festen Fachbereich ab dem zweiten, organisiert im Blockmodell, bei dem sich mehrwöchige Schulphasen an der Beruflichen Schule St. Pauli in Hamburg mit Praxisphasen im Betrieb abwechseln. Die LVM bildet in ihrer Zentrale in Münster aus und schickt die Auszubildenden für mehrere Monate in ihre Agenturen. Anders herum läuft es bei den Ausbildungsplätzen im Außendienst, wie sie die Provinzial, die AXA oder die Debeka in ihren Agenturen und Geschäftsstellen anbieten: Dort sind Sie vom ersten Tag an Teil eines Vertriebsteams vor Ort und lernen die Beratung am Kunden. In unserer Auswertung vom 9. September 2026 nannten 635 der 1.262 Ausbildungsplätze eine Agentur oder Geschäftsstelle als Einsatzort. Rund die Hälfte der Ausbildungsplätze der Branche entstand damit im Vertrieb vor Ort und nicht in einer Direktion.

Welche Wahlqualifikation passt zu Ihnen?

Die Wahlqualifikation ist die eigentliche Neuerung der Ausbildungsordnung von 2022. Nach § 4 Absatz 3 der Verordnung wird sie im Ausbildungsvertrag festgelegt, Sie entscheiden sich also bereits vor dem ersten Ausbildungstag. Fünf Richtungen stehen zur Wahl:

Versicherungsfälle managen

Die Schadenbearbeitung von der ersten Meldung bis zur Auszahlung: Sie prüfen, ob der Schaden versichert ist, ermitteln die Höhe und steuern Gutachter, Werkstätten oder Ärzte. Das ist der klassische Weg in die Schaden- und Leistungsabteilungen der Versicherer, in denen heute Rollen wie Schadensachbearbeiter oder Claims Handler ausgeschrieben werden.

Risikomanagement durchführen

Bevor ein Versicherer einen Vertrag annimmt, muss jemand das Risiko einschätzen: Wie wahrscheinlich ist ein Schaden, wie teuer könnte er werden, zu welchem Beitrag lohnt sich die Deckung? Diese Wahlqualifikation ist die Grundlage für die Antragsprüfung und für das Underwriting, die Risikoprüfung im Firmenkundengeschäft.

Risiken für Nicht-Privatkunden absichern

Gemeint sind Firmenkunden, vom Handwerksbetrieb bis zum Industriekonzern. Gewerbe- und Industrieversicherungen sind komplexer als Privatpolicen, weil Betriebsunterbrechung, Haftpflicht und Sachwerte zusammenspielen. Typisch ist diese Wahlqualifikation für Maklerhäuser und für die Firmenkundenabteilungen der Versicherer.

Im Vertrieb betriebswirtschaftlich arbeiten

Hier lernen Sie, eine Agentur oder Geschäftsstelle wie ein kleines Unternehmen zu führen: Kundenbestand pflegen, Vertriebskennzahlen auswerten, Kosten und Erträge im Blick behalten. Für alle, die ihre Ausbildung in einer Agentur absolvieren, ist das die naheliegende Wahl und zugleich die Vorbereitung auf eine spätere eigene Agentur.

Digitalisierungsprozesse initiieren und begleiten

Das jüngste Feld der Branche: Sie begleiten die Umstellung auf digitale Antragsstrecken, automatisierte Prozesse und Online-Kundenportale und lernen, Abläufe im Betrieb daraufhin zu prüfen, was sich digital besser lösen lässt. Diese Wahlqualifikation eignet sich für alle, die Versicherung und Technik verbinden möchten.

Die Wahl hat Gewicht, denn die Wahlqualifikation bestimmt später das Fachgespräch in der Abschlussprüfung. Wer sich nicht auf eine Richtung beschränken möchte, kann nach § 17 der Verordnung eine zweite Wahlqualifikation als Zusatzqualifikation vereinbaren, die in einer gesonderten Prüfung abgelegt wird. In den Ausschreibungen der Versicherer taucht die Wahlqualifikation bislang selten namentlich auf, in aller Regel ergibt sie sich aus dem Ausbildungsplatz: Eine Agentur bildet im Vertrieb aus, eine Schadendirektion im Versicherungsfallmanagement. Fragen Sie im Vorstellungsgespräch gezielt nach, welche Wahlqualifikation der Betrieb vorsieht.

Welche Prüfungen erwarten Sie?

Eine klassische Zwischenprüfung gibt es in diesem Beruf nicht mehr. Stattdessen sieht § 6 der Verordnung eine gestreckte Abschlussprüfung vor. Gestreckt bedeutet: Die Prüfung ist auf zwei Termine mit gut einem Jahr Abstand verteilt, und beide Ergebnisse zählen für die Abschlussnote. Teil 1 findet im vierten Ausbildungshalbjahr statt, bei verkürzter Ausbildung spätestens vier Monate vor Teil 2. Teil 2 schließt die Ausbildung ab. Abgenommen wird die Prüfung von der Industrie- und Handelskammer als zuständiger Stelle.

PrüfungsteilPrüfungsbereichForm und DauerGewicht
Teil 1 (4. Halbjahr)Allgemeine Versicherungswirtschaftschriftlich, 120 Min.20 %
Teil 2 (Ende)Kundenbedarfsanalyse, Lösungsentwicklung und Versicherungsfallbearbeitungschriftlich, 150 Min.30 %
Kommunikation und Handeln im KundenkontaktGesprächssimulation, höchstens 15 Min.20 %
Projektbezogene Prozesse in der VersicherungswirtschaftReport plus Fachgespräch, höchstens 20 Min.20 %
Wirtschafts- und Sozialkundeschriftlich, 60 Min.10 %

Quelle: §§ 8, 11 bis 15 VersFinKflAusbV, Verordnung vom 2. März 2022.

Teil 1 prüft nach § 8 die ersten 15 Ausbildungsmonate anhand der Bedarfsfelder Wohnen, Beruf und Freizeit sowie Mobilität und Reisen. Der schriftliche Hauptteil von Teil 2 nach § 11 verlangt neben der Bedarfsanalyse auch, Chancen und Risiken von Finanzanlagen zu beurteilen und einen Versicherungsfall zu regulieren. Zwei Prüfungsbereiche sind mündlich und verdienen besondere Vorbereitung. In der Gesprächssimulation nach § 12 legt Ihnen der Prüfungsausschuss zwei praxisbezogene Aufgaben zur Auswahl vor, Sie haben insgesamt 15 Minuten für Auswahl und Vorbereitung und führen anschließend ein Kundengespräch von höchstens 15 Minuten. Das Fachgespräch nach § 13 baut auf einer praxisbezogenen Aufgabe auf, die Sie eigenständig im Betrieb zu Ihrer Wahlqualifikation durchführen und in einem zwei- bis vierseitigen Report beschreiben. Bewertet wird ausschließlich das Gespräch, nicht der Report.

Bestanden ist die Prüfung nach § 15, wenn das Gesamtergebnis, Teil 2 für sich und der Bereich Kundenbedarfsanalyse jeweils mindestens ausreichend sind, mindestens zwei weitere Bereiche von Teil 2 ausreichend ausfallen und kein Bereich mit ungenügend bewertet wird. Wer knapp scheitert, kann nach § 16 eine mündliche Ergänzungsprüfung von 15 Minuten beantragen, allerdings nur in der Kundenbedarfsanalyse oder in Wirtschafts- und Sozialkunde und nur, wenn sie den Ausschlag für das Bestehen geben kann.

Wie hoch ist die Ausbildungsvergütung?

Die Versicherungswirtschaft zahlt ihren Auszubildenden ein tariflich festgelegtes Gehalt, das zu den höheren unter den kaufmännischen Ausbildungsberufen zählt. Maßgeblich ist der Gehaltstarifvertrag für das private Versicherungsgewerbe, den der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen mit den Gewerkschaften ver.di und DBV abschließt. Der Tarifabschluss vom 4. Juli 2025 hat die Ausbildungsvergütung in zwei Schritten angehoben, zuletzt zum 1. September 2026 um jeweils 100 €:

Ausbildungsjahrseit 01.08.2025seit 01.09.2026
1. Ausbildungsjahr1.355 €1.455 €
2. Ausbildungsjahr1.432 €1.532 €
3. Ausbildungsjahr1.520 €1.620 €

Monatliche Ausbildungsvergütung brutto. Quelle: Gehaltstarifvertrag für das private Versicherungsgewerbe, § 2, Fassung vom 4. Juli 2025 (AGV, ver.di, DBV), Stand Mai 2026.

Ausbildungsvergütung nach Tarif: Entwicklung 2025 bis 2026

1. Jahr 1.355–1.455 €

2. Jahr 1.432–1.532 €

3. Jahr 1.520–1.620 €

1.3001.4001.5001.6001.700

Angaben in € im Monat

Die Tabellenwerte finden Sie im § 2 des Gehaltstarifvertrags (PDF-Seite 3). Dort steht auch der Fahrtkostenzuschuss: Auszubildende, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren, erhalten nach § 2a bis zu 30 € monatlich zu ihren nachgewiesenen Kosten. Der Manteltarifvertrag ergänzt die Rahmenbedingungen, allen voran die 38-Stunden-Woche im Innendienst und 30 Arbeitstage Urlaub im Jahr, und beide Regelungen gelten ausdrücklich auch für Auszubildende. Der Tarifvertrag ist erstmals zum 31. Mai 2027 kündbar, bis dahin stehen die Beträge fest.

Interessanterweise gehen einige Versicherer über den Tarif hinaus und werben damit offen in ihren Ausschreibungen. Die Debeka zahlt die Ausbildungsvergütung nach eigener Angabe 14-mal im Jahr und legt monatlich 40 € vermögenswirksame Leistungen obendrauf. SIGNAL IDUNA nennt ebenfalls 40 € vermögenswirksame Leistungen, einen Zuschuss zum Nahverkehrsticket und Sonderzahlungen zu Urlaub und Weihnachten. Bei der Allianz kommen Mitarbeiteraktien und eine betriebliche Krankenversicherung hinzu, die Provinzial wirbt mit einem Mobilitätskonzept und ihrer eigenen Akademie. Ein Detail am Rande: Nicht jede Anzeige ist auf dem neuesten Stand, einzelne Ausschreibungen nannten im September 2026 noch die Sätze aus dem Vorjahr. Verbindlich ist immer der aktuelle Tarifstand.

Eine Einschränkung gehört dazu: Die Tarifsätze gelten unmittelbar für tarifgebundene Versicherungsunternehmen. Wer seine Ausbildung bei einem Versicherungsmakler oder einem nicht tarifgebundenen Vermittlerbetrieb beginnt, sollte die Vergütung vor der Vertragsunterschrift konkret erfragen, denn dort ist der Tarif nur ein Vergleichsmaßstab. Wie sich das Gehalt nach der Ausbildung entwickelt, haben wir im Ratgeber Versicherungskaufmann Gehalt mit der kompletten Tariftabelle aufbereitet.

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Wer bildet aus und wann sollten Sie sich bewerben?

Kaum ein anderer Ausbildungsberuf wird auf versicherung-jobs.com so häufig ausgeschrieben. In unserer Auswertung vom 9. September 2026 richteten sich 1.262 der 1.928 Ausbildungsplätze des Portals an angehende Kaufleute für Versicherungen und Finanzanlagen, also fast zwei von drei Ausbildungsstellen der Branche. 23 Arbeitgeber schrieben aus, die Verteilung war allerdings alles andere als gleichmäßig:

  • Die Provinzial führte mit großem Abstand: 329 Ausbildungsplätze schrieb die Provinzial in ihren Agenturen aus, weitere 100 die Provinzial Nord Brandkasse im Norden. Die meisten davon waren Agenturplätze mit Ausbildungsbeginn 2027.
  • Genossenschaftlich und auf Gegenseitigkeit: Die R+V folgte mit 316 Plätzen an Standorten wie Hamburg, die Debeka mit 220 Plätzen in ihren Geschäftsstellen.
  • Weitere große Ausbilder waren die AXA (88), SIGNAL IDUNA (80), die LVM (51) und die Itzehoer Versicherung (20). Maklerhäuser wie die Funk Gruppe bildeten ebenfalls aus, mengenmäßig aber im einstelligen Bereich.

Zwei weitere Befunde helfen bei der Planung. Erstens läuft die Bewerbungsphase weit vor dem Ausbildungsbeginn: 452 der Ausschreibungen trugen bereits das Startjahr 2027 im Titel, nur 133 das Jahr 2026. Wer im August oder September 2027 beginnen möchte, bewirbt sich also jetzt, üblicherweise mit Lebenslauf und den letzten beiden Zeugnissen, bei der R+V gefolgt von einem Online-Test und zwei Kennenlernrunden. Zweitens ist die Übernahme kein leeres Versprechen: 1.098 der 1.262 Ausschreibungen, also 87 %, sprachen die Übernahme nach der Ausbildung ausdrücklich an, die AXA garantiert sie bei guten Noten und Engagement sogar vertraglich.

Wie geht es nach der Ausbildung weiter?

Der Manteltarifvertrag sichert Absolventen einen konkreten Einstieg. Zum Verständnis: Der Tarif ordnet die Tätigkeiten im Innendienst acht Gehaltsgruppen von I bis VIII zu, und innerhalb jeder Gruppe steigt das Gehalt mit den Berufsjahren. Nach § 4 Ziffer 2a des Manteltarifvertrags (PDF-Seite 7) sind Angestellte mit abgeschlossener Ausbildung zum Versicherungskaufmann mindestens in Gehaltsgruppe III einzustufen. Wer die Abschlussprüfung mit guten Leistungen besteht, also mit einer Note bis 2,5 unter Berücksichtigung der betrieblichen Leistungen, soll in Gruppe IV eingestuft werden. Weil nach § 5 Ziffer 2 (PDF-Seite 8) die Ausbildungsjahre als Berufsjahre zählen, beginnt das Gehalt in aller Regel in der Stufe für das 4. und 5. Berufsjahr: seit September 2026 mit 3.639 € in Gruppe III und 3.716 € in Gruppe IV. Ist die Übernahme vor der Prüfung vereinbart, entsteht der Gehaltsanspruch rückwirkend ab dem ersten Tag des Prüfungsmonats.

Darüber hinaus öffnet der Abschluss zwei Türen, die in anderen kaufmännischen Berufen verschlossen bleiben. Zum einen ist die Abschlussprüfung nach § 5 der Versicherungsvermittlungsverordnung der Sachkundeprüfung gleichgestellt, die § 34d der Gewerbeordnung für eine eigene Erlaubnis als Versicherungsvertreter oder Versicherungsmakler verlangt. Der Weg in die Selbständigkeit, etwa als Agenturinhaber, steht Ihnen fachlich also unmittelbar offen. Zum anderen ist der Beruf der direkte Zugang zur Aufstiegsfortbildung Bachelor Professional in Versicherungen und Finanzanlagen, die seit dem 1. Januar 2025 den Geprüften Fachwirt für Versicherungen und Finanzen ablöst. Nach § 2 der Fortbildungsverordnung genügt die bestandene Abschlussprüfung als Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen für die Zulassung, andere Bewerber brauchen zusätzliche Berufspraxis. Die Debeka kombiniert die Ausbildung sogar mit einem ausbildungsbegleitenden Bachelorstudium, das ab dem zweiten Ausbildungsjahr beginnt. Alles über Aufgaben, Soft Skills und Karrierewege lesen Sie im Berufsprofil Versicherungskaufmann.

Freie Ausbildungsplätze zum Versicherungskaufmann

Ausbildungsplätze schreiben die Versicherer über das ganze Jahr aus, die meisten für den Start im August oder September des Folgejahres. Alle Angebote bündeln wir im Bereich Ausbildung Versicherung, Stellen für ausgebildete Kaufleute im Bereich Versicherungskaufmann Jobs:

Ausbildungsplätze und Stellen für Versicherungskaufleute

Aktuell 1.683 Ausschreibungen rund um den Versicherungskaufmann auf versicherung-jobs.com, vom Ausbildungsplatz in der Agentur bis zur Fachposition in der Direktion.

Fazit

Die Ausbildung zum Versicherungskaufmann ist ein Einstieg mit klaren Regeln und guten Zahlen: drei Jahre, wahlweise verkürzt auf 2,5, eine tarifliche Vergütung von 1.455 € bis 1.620 € im Monat, eine moderne Ausbildungsordnung mit fünf Wahlqualifikationen und ein Arbeitsmarkt, auf dem 87 % der Ausbildungsplätze die Übernahme in Aussicht stellen. Wer gern berät, mit Zahlen umgehen kann und sich für Absicherung und Vorsorge interessiert, findet hier einen Beruf, der vom ersten Tag an bezahlt wird und nach der Prüfung mit mindestens 3.639 € weitergeht. Wir hoffen, dass wir Ihnen damit weiterhelfen konnten!

FAQ: Häufige Fragen zur Ausbildung

Wie lange dauert die Ausbildung zum Versicherungskaufmann?

Die Ausbildungsverordnung legt in § 2 drei Jahre fest. Auf gemeinsamen Antrag von Auszubildendem und Betrieb muss die Industrie- und Handelskammer die Dauer nach § 8 des Berufsbildungsgesetzes kürzen, wenn das Ausbildungsziel erreichbar bleibt. Die R+V schreibt ihre Plätze mit 2,5 Jahren aus, die AXA bietet 2,5 oder 3 Jahre zur Wahl.

Was verdient man in der Ausbildung zum Versicherungskaufmann?

Nach dem Gehaltstarifvertrag der privaten Versicherungswirtschaft seit dem 1. September 2026 monatlich 1.455 € im ersten, 1.532 € im zweiten und 1.620 € im dritten Ausbildungsjahr. Dazu kommen bis zu 30 € Fahrtkostenzuschuss für den Nahverkehr und je nach Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen oder Sonderzahlungen. Die Debeka zahlt die Vergütung nach eigener Angabe 14-mal im Jahr.

Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung?

Einen Pflicht-Schulabschluss kennt die Ausbildungsverordnung nicht. Die Versicherer stellen in der Praxis Bewerber mit mittlerem Abschluss, Fachhochschulreife oder Abitur ein. Von den Ausbildungsplätzen auf versicherung-jobs.com nannten zum Stichtag 9. September 2026 fast gleich viele das Abitur wie einen mittleren Abschluss als Voraussetzung. Ein abgebrochenes Studium ist bei Versicherern wie der AXA ausdrücklich kein Hindernis.

Was ist der Unterschied zwischen Versicherungskaufmann und Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen?

Es ist derselbe Beruf in verschiedenen Generationen. Bis 2006 hieß er Versicherungskaufmann, danach Kaufmann für Versicherungen und Finanzen, und seit dem 1. August 2022 nach § 19 der aktuellen Ausbildungsverordnung Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen. Der Manteltarifvertrag spricht weiterhin vom Versicherungskaufmann und stellt jede dieser Ausbildungen bei der Eingruppierung gleich.